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Archive für 10.11.2010

Glosse: „Apanatschi auf ethischem Kriegspfad“

Uschi Glas, die mit der Titelrolle der Apanatschi in dem Karl-May-Film „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“ von der Rialto-Produktion die Chance einer großen Filmkarriere erhielt, befindet sich spätestens seit der gestrigen Sendung von Markus Lanz - Muss Sterbehilfe in Deutschland erlaubt sein? auf einem „Kriegspfad besonderer Art“. 

Das Wort „Sterbehilfe“ sei ganz und gar aus dem deutschen Sprachgebrauch zu verdammen und vielmehr durch die ehrenhafte Sterbebegleitung zu ersetzen. Nun ist es sicherlich allgemein bekannt, dass Uschi Glas Schirmherrin der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung ist und ich von daher in einem gewissen Rahmen sogar Verständnis dafür habe, dass um der Außenpräsentation willen ein stückweit ethische Botschaften verkündet werden, die allerdings nach wie vor der kritischen Reflexion bedürfen. 

Die Botschaft ist denn auch sicherlich bei möglichen Millionen von Fernsehzuschauern angekommen und es scheint, dass im Kulturkampf um ein würdevolles Sterben demnächst die „Friedenspfeife“ geraucht werden kann, auch wenn wir natürlich um des Nichtraucherschutzes willen uns die „Friedenspfeife“ nur virtuell denken dürfen. 

Sympathieträger der Deutschen bringen sich mit ihren tugendhaften Botschaften in den Wertediskurs ein und da kann denn schon einmal innerhalb weniger Minuten des Volkes Meinung umgestimmt werden.Mit der „Friedenspfeife“ verströmt sich gleichsam ein liebsamer, ja geradezu betörender Duft – man könnte fast meinen, ein „Rauch“ dessen Zeichen weithin wahrgenommen werden und alle sich darauf verlassen können, dass es nicht „Sache des Rauches sei, über das Erlöschen der Friedenspfeife“ zu befinden. 

So gesehen wird fortwährend der „Dunst“ des Schleiers aus dem Pfeifenkessel aufrechterhalten, der den Blick auf das Gebotene in dem Wertediskurs verhüllt. 

Na denn – bleibt nur zu hoffen, dass sowohl Raucher als auch Nichtraucher keinen „Hustenanfall“ bekommen. 

Ihr Lutz Barth

Markus Lanz: Muss Sterbehilfe in Deutschland erlaubt sein?

Mir fällt es schwer, zu dieser Diskussion in der Sendung von Markus Lanz die passenden Worte zu finden, geschweige denn eine Bewertung abzugeben. Ich traute meine Ohren nicht, wie viel Inkompetenz sich in einer relativ kurzen Sendezeit ballen kann und da enthalte ich mich dann doch lieber eines Statements und überlasse es den Interessierten im Wertediskurs, sich selbst ein Bild von den mehr als fragwürdigen Botschaften der Diskussionsrunde zu skizzieren. 

In der ZDF Mediathek kann im Nachgang zur ausgestrahlten Sendung das entsprechende Video aufgerufen werden >>> http://markuslanz.zdf.de/ZDFde/inhalt/1/0,1872,7243009_idDispatch:10085167,00.html <<< (html) und ich wünsche Ihnen „starke Nerven“, damit Sie nicht aus dem „Sessel herausfahren“.  Ich saß zuweilen sprachlos vor dem Bildschirm und da war leider auch nicht tröstlich, dass zumindest M. Friedmann bemüht war, die derzeitige unbestrittene Rechtslage hierzulande darzustellen. Nahezu ungläubig verfolgte ich dann den Diskussionsbeitrag von C. Roth, die m.E. seltsame und höchst fragwürdige „verfassungsrechtliche Botschaften“ verkündete und war dann in der Folge immer wieder „fasziniert“ von dem Engagement unserer Schauspielerin Uschi Glas, die sich scheinbar auf einer besonderen Mission befand und sich immer mal wieder einschalten musste.Bliebe noch nachzutragen, dass der Hamburger Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke und der Günther Beckstein in der Diskussionsrunde zugegen waren. 

Aber immerhin hatte die Sendung eines zu Tage gefördert: Den scheinbaren Meinungswandel des Publikums nach der Diskussionsrunde. Hieran zeigt sich, mit welchen fragwürdigen Botschaften in einem höchst bedeutsamen Wertediskurs die „Einstellung“ zur Sterbehilfe verändert werden kann.  Wie wäre wohl die Abstimmung verlaufen, wenn ein Diskussionspartner in der Runde zugegen gewesen wäre, der ohne erkennbare Not und Mühen gleichsam mit einem Federstrich die vorgetragenen Argumente entmythologisiert hätte?  

Die ethische „Nebelbombe“, die in der Sendung gezündet wurde, verfehlte daher offensichtlich nicht ihre Wirkung und da darf dann eigentlich “nur” noch darauf gehofft werden, dass jedenfalls in Fachkreisen das gewichtige Thema seriöser und frei von moralischen Botschaften angegangen wird. Lutz Barth

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