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Archive für 11.5.2010
Eröffnungsrede des Präsidenten der BÄK verdient heftige Kritik!
11.5.2010 von Moderator.
Es stand zu befürchten an: Der Präsident der BÄK hat aus seiner Sicht ein durchaus leidenschaftliches Plädoyer gegen die Sterbehilfe in seiner Eröffnungsrede zum 113. Deutschen Ärztetag gehalten und leider ist bei ihm kein Erkenntnisfortschritt zu verzeichnen.
Und es kommt eigentlich noch „dicker“: Es scheint, als ob der „interne Dialog“ innerhalb der BÄK zu ihrer ethischen Position zur ärztlichen Suizidassistenz innerhalb weniger Tage entschieden worden ist, nachdem doch erst kürzlich der Präsident der BÄK im Gespräch mit Michael de Ridder u.a. darauf hingewiesen hat, dass die BÄK sich im Diskussionsprozess befinde.
Folgende pars pro toto aus seiner Rede belehrt uns alle eines besseren:
„Es ist einfach so, dass viele – etwa 95 Prozent - derer, die vorzeitig aus dem Leben scheiden wollen, an starken Depressionen leiden. Deshalb müssen wir uns um diese Erkrankten kümmern, nicht aber einem Suizid den Weg bereiten. Es ist so leichtfertig, populistisch und gefällig nach einer Legalisierung der Sterbehilfe zu rufen. Das viel zitierte Selbstbestimmungsrecht wird doch zur Farce, wenn es durch gesellschaftliche Ausgrenzung und depressive Erkrankungen fremdbestimmt ist. Deshalb müssen gerade wir Ärzte den Patienten in der Gesamtheit seiner Lebenssituation sehen. Wir müssen, da, wo wir nicht mehr heilen können, helfen – auch helfen in Würde zu sterben. Und deshalb bleibt es bei unserem ethischen Gebot, helfen im Sterben, nicht helfen zu sterben. Töten darf keine Option im therapeutischen Instrumentarium des Arztes sein.“
Quelle: BÄK >>> http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=0.2.6578.8228 <<< (html)
In diesem Sinne gilt es, scharfe Kritik an dem Präsidenten der BÄK zu üben, denn nach seinem Statement verbleibt es expressis verbis beim ethischen Gebot, im Sterben zu helfen und nicht helfen zu sterben.
Für mich persönlich ein unglaublicher Vorgang, der u.a. das Streitgespräch mit Michael de Ridder zur Farce werden lässt und im Übrigen die Befürworter der Liberalisierung der Sterbehilfe als Populisten stigmatisiert, mal ganz davon abgesehen, dass der Präsident der BÄK das Selbstbestimmungsrecht der Patienten völlig fehlinterpretiert.
Da nehmen sich seine Ausführungen zum Patientenverfügungsgesetz zwar etwas bescheidener aus, wenngleich insgesamt Herr Hoppe durchaus recht mit seiner Einschätzung hat, dass die verfasste Ärzteschaft noch vieles zu lernen hat und zwar gerade mit Blick auf das Selbstbestimmungsrecht als eines der höchsten Verfassungsgüter!
Es ist hohe Zeit, die Diskussion vitaler zu führen, denn es ist nach der Rede nicht damit zu rechnen, dass tatsächlich eine Liberalisierung und damit die Befreiung der verfassten Ärzteschaft von dem ethisch verordneten Zwangskorsett der BÄK gewollt ist.
Für mich ein „schwarzer Tag“, an der eine Rede gehalten wurde, die eben nicht vertrauensbildend ist!
Lutz Barth
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